Küsse, die alles verändern
Was euch erwartet, ist eine Mischung aus Romance, Drama, Humor und einem Hauch Erotik — immer stilvoll, immer charakterzentriert. Und genau das macht diesen Einzelband so spannend für alle, die Boys-Love nicht nur konsumieren, sondern fühlen wollen.
Die Geschichte von „Can You Kiss Me First?“
Im Mittelpunkt stehen Eito Kanda und Isao Ueno, zwei Kollegen, die nach außen hin kaum unterschiedlicher wirken könnten. Seit Ueno in die Buchhaltung gewechselt ist, zeigt er sich streng, fast schon unnahbar — besonders gegenüber Kanda, der immer wieder Fehler in seinen Abrechnungen macht. In der Firma wird gemunkelt, Kanda mache das absichtlich, nur um Ueno zu provozieren.
Doch was niemand weiß: Die beiden kennen sich viel besser, als es den Anschein hat. Kanda hat eine Zeit lang bei Ueno gewohnt, nachdem ein Wasserschaden seine eigene Wohnung unbewohnbar gemacht hatte. Seitdem taucht er regelmäßig bei Ueno auf, läuft nach dem Duschen auch mal nackt durch die Wohnung und verhält sich so selbstverständlich, dass Außenstehende niemals auf die Idee kämen, wie vertraut die beiden wirklich miteinander sind.
Ueno, der offen schwul ist, versucht diese Nähe nach außen hin herunterzuspielen. Er will Kanda schützen, will Gerüchte vermeiden und hält deshalb Distanz — zumindest vor anderen. Innerlich sieht es ganz anders aus: Er ist längst in Kanda verliebt. Doch eine unbedachte Aussage aus der Vergangenheit verfolgt ihn bis heute. Damals sagte er Kanda, dass dieser nicht sein Typ sei. Was als Selbstschutz gedacht war, hat tiefe Spuren hinterlassen.
Kanda, offiziell hetero, trägt diese Worte noch immer mit sich herum. Er hält sich zurück, obwohl seine Gefühle für Ueno längst intensiver geworden sind. Zwischen ihnen steht nicht nur ein Missverständnis, sondern auch die Angst, ihre Freundschaft öffentlich zu machen. Die beiden leben eng beieinander, teilen Alltag, Nähe und Momente, die eigentlich schon alles sagen — und doch fehlt der Mut, den entscheidenden Schritt zu gehen.
Der Manga erzählt diese Dynamik mit viel Feingefühl. Es geht um zwei Männer, die sich lieben, aber durch alte Entscheidungen und unausgesprochene Gefühle voneinander getrennt bleiben. Die Spannung entsteht nicht durch große Dramen, sondern durch kleine Gesten, Blicke und die Frage, ob einer von ihnen endlich den Mut findet, den ersten Schritt zu machen.
Was die Geschichte ausmacht und warum ihr sie lesen solltet
„Can You Kiss Me First?“ lebt von emotionaler Ehrlichkeit. Die Figuren wirken authentisch, verletzlich und gleichzeitig stark in ihren Entscheidungen. Ihr begleitet zwei Menschen, die sich im Alltag verlieren und wiederfinden, die Nähe zulassen und gleichzeitig Angst davor haben.
Besonders stark ist die Art, wie Yamayade die Beziehung zwischen Kanda und Ueno inszeniert. Die erotischen Szenen sind visuell eindrucksvoll, aber nie plump. Sie unterstützen die Charakterentwicklung, statt sie zu überdecken. Für Fans von Boys-Love, die Wert auf Atmosphäre, Spannung und glaubwürdige Emotionen legen, ist das ein echtes Highlight.
Auch zeichnerisch überzeugt der Band. Die Panels sind klar strukturiert, die Figuren fein ausgearbeitet, und die Mimik trägt viele der emotionalen Momente. Man spürt, dass Yamayade genau weiß, wie man Stille, Nähe und unausgesprochene Gefühle visuell transportiert.
Spannend ist auch der Hintergrund des Werks: Ursprünglich digital auf Renta veröffentlicht, später als Einzelband bei Takeshobo erschienen, hat der Manga beim BL-Award 2025 gleich mehrfach abgeräumt — ein deutlicher Hinweis darauf, wie stark die Geschichte in der Community eingeschlagen hat.
Wenn ihr Romance liebt, die nicht laut sein muss, um zu berühren, wenn ihr Charaktere mögt, die Fehler machen, wachsen und sich langsam öffnen, dann ist dieser Einzelband genau das Richtige für euch.
Fazit
„Can You Kiss Me First?“ ist ein Boys-Love‑Titel, der euch mit ruhigen Tönen einfängt und mit emotionaler Tiefe überrascht. Er zeigt, wie kompliziert Nähe sein kann, wenn man sich selbst im Weg steht — und wie schön es ist, wenn zwei Menschen endlich den Mut finden, ehrlich zueinander zu sein.
Was denkt ihr: Ist es schwieriger, den ersten Schritt zu machen oder zuzugeben, dass man ihn sich wünscht? Teilt eure Meinung gern in den Kommentaren — wir freuen uns auf eure Gedanken.
