Barfuß durch Hiroshima - Hoffnung » Review
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Frank -
23. Februar 2021 um 07:51 -
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Auf zur letzten Runde würde ich mal ganz frech sagen. „Barfuß durch Hiroshima“ ist wahrlich keine leichte Kost. Auch wenn dieses Werk keine leichte Kost ist, ich bin dennoch froh, das “CARLSEN“ es hierzulande veröffentlicht hat, da wir einfach nicht Vergessen dürfen.
Worum es bei "Barfuß durch Hiroshima- Hoffnung" geht:
Obwohl die Familie Nakaoka um unseren Protagonisten Gen drei ihrer Mitglieder auf schmerzlichste Art und Weise in den Flammen der "Blitzbombe" verloren hat (wie das Manhattan Project von den Anwohnern umgangssprachlich genannt wird), scheint es sowas wie eine Wiederzusammenkunft des Clans zu geben. Der älteste Sprössling Koji ist zumindest körperlich unversehrt vom Einsatz an der Front zurück gekommen, gleiches gilt für den mittleren Bruder Akira, der zur Sicherheit zeitweilig auf's Land gebracht wurde, und zu guter Letzt ist der kleine Straßenjunge Ryuta adoptiert worden. Seine neue Familie hat er dabei genauso schnell und liebevoll ins Herz geschlossen wie umgekehrt. Gemeinsam ist man stärker um diese schwere Zeit voller Trauer und Ungewissheit überwinden zu können.
Genau diese Stärke wird nun auch mehr denn je benötigt. Nach einem geschlossenen Friedensvertrag mit den Alliierten steht Japan unter der us-amerikanischen Besatzungsmacht angeführt von General Douglas MacArthur. Nach anfänglicher Skepsis mit den wildesten Verschwörungstheorien seitens der japanischen Bevölkerung, entpuppen sich die Soldaten doch als überraschend freundlich und umgänglich. Gerade bei den Kindern sind sie aufgrund von großzügigen Geschenken (vor allem Bonbons und Süßigkeiten) sehr beliebt. Natürlich mag in dieser Freundlichkeit auch etwas Ehrliches und Mitfühlendes stecken, aber sie ist nicht die ganze Wahrheit.
Das Eingeständnis der Verantwortung und einer Mitschuld an der Katastrophe findet praktisch nicht statt, im Gegenteil: hinter den Kulissen wird so viel wie möglich der Geschehnisse unter den Teppich gekehrt. Sogar Organe entnimmt die Army den Atombombenopfern, um die Auswirkungen der radioaktiven Strahlung wissenschaftlich zu untersuchen und anschließend für ihre Zwecke benutzen zu können. Wir sehen dieses erschreckende Szenario durch die unschuldigen Kinderaugen von Gen und Ryuta, können anders als sie aber den Zweck dahinter erkennen. Um ihre Lieben im Zweifelsfall beschützen zu können, bewaffnen sich die Jungs mit noch intakten Pistolen, welche sie bei einigen Leichen gefunden haben.
Als sie von der despotischen Vermieterin aus einem nichtigen Vorwand gescholten und vor die Tür gesetzt werden, stehen die Nakaokas erneut vor einem Scherbenhaufen. Viele von ihnen leiden an Unterernährung. Besonders in Sorge sind sie um das Baby. Wenn Tomoko nicht bald mit ausgewogenen Mahlzeiten versorgt wird, stirbt sie. Voller Tatendrang und Entschlossenheit möchten die beiden auch hier alles dafür geben, ihre Schwester zu retten. Daher lassen sie sich auf einen gewagten Deal mit zwei dunklen Gestalten ein. Während diese eine Vorratskammer der Army plündern, soll für die Wachen ein Ablenkungsmanöver inszeniert werden. Tatsächlich ist der Plan ein voller Erfolg. Von den Lebensmitteln sehen sie aber nicht mal ein Reiskorn, denn bei den Auftraggebern handelt es sich um Mitglieder der Yakuza, welche die Beute auf dem Schwarzmarkt veräußern möchten. Wutentbrannt konfrontiert Gen sie eben dort mit der Wahrheit und wird halb tot geprügelt. In Zorn und Verzweiflung schnappt sich der erst ca. sechsjährige Ryuta seine Pistole und möchte die Gangster aus Rache erschießen…
Einschätzung
Schon anhand dieses Auszugs von "Barfuß durch Hiroshima - Hoffnung" wird einmal mehr verdeutlicht, wie weit Keiji Nakazwa in diesem auf selbst erlebten Ereignissen beruhenden Manga geht. Es gibt keine Tabus und keine Beschönigung.
Darf man zeigen, wie junge Frauen sich gegenüber Soldaten prostituieren, damit ihre Familien überleben?
Darf man Leichenfledderei zeigen, die von denen betrieben wird, die schon reichlich Blut und Schuld an ihren Händen kleben haben?
Darf man einem kleinen Jungen solche Dinge zeigen, dessen Welt gerade völlig auseinander bricht und der deswegen sogar bereit ist, zum Mörder zu werden?
Die Antwort auf diese und alle weiteren Kontroversen innerhalb der Story ist ein ganz klares: Ja!
Geschichte sollte und muss uns immer in Erinnerung behalten und darf nicht vergessen werden, ganz besonders die unzähligen Schrecken des Zweiten Weltkrieges, wenn Kriege, atomares Wettrüsten und Nationalismus unseren Planeten heute noch genauso wie vor über 70 Jahren bedrohen.
Wie schon in meinen vorherigen Reviews erwähnt, sind die angesprochenen Themen von Band zu Band immer facettenreicher und beleuchten die unterschiedlichen Folgen und Perspektiven nach dem Unglück. Kriegsheimkehrer wie Koji sind traumatisiert und desillusioniert, dass von Seiten der faschistischen Regierung die ganze Zeit nur ein Schleier der Täuschung über sie gelegt wurde. Statt Ruhm und Ehre fand er zuhause nur einen Altar mit den Totenschädeln seiner verstorbenen Angehörigen vor.
Wo Elend, Leid und Entbehrung sich häufen, gibt es leider auch immer welche, die davon profitieren möchten. In Form der Yakuza, einiger Soldaten und Ärzte, ist dies hier sehr gut dargestellt.
Es ist kein Feel-Good-Manga, nichts woran man Spaß empfindet. Auch stellt sich nicht das Gefühl ein, gut unterhalten worden zu sein. Man kann definitiv von einer gewissen emotionalen Belastung sprechen. Ich persönlich musste bei allen Bänden zwischendurch ab und an Pausen einlegen, habe das Gelesene lange reflektiert und mich direkt danach immer einer eher lockeren und aufmunternden Ablenkung zugewandt. Da wird wohl jeder seine eigenen Wege und Methoden haben.
Schlussendlich wird auch die Plotline selbst zu einem (fast) hundertprozentig gelungenen Ende gebracht. Es gibt nämlich eine kleine Ungereimtheit, die mir beim Lesen aufgefallen ist. Vielleicht empfinde ich es aber auch nur so. Das allseits bekannte Meckern auf hohem Niveau. ![]()
Fazit
Wenn ihr sagt, darauf kann und möchte ich mich einlassen, um mehr über dieses gleichermaßen erschreckende wie wichtige Thema unserer Geschichte zu erfahren, dann ist "Barfuß durch Hiroshima" in seiner Wucht, Authentizität und Emotionalität eine absolute Pflichtlektüre, die in keiner Sammlung fehlen sollte und zu den stilbildenden Klassikern der Manga-Literatur zählt.
Ruhen Sie in Frieden, Herr Nakazwa. Ihr künstlerisches Vermächtnis ist von unschätzbarem Wert und wird noch bei vielen weiteren Lesern einen so prägenden und nachhaltigen Eindruck wie bei mir hinterlassen können.
Quelle » YouTube «
Wir möchten uns auf diesem Wege herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar und Bildmaterial bedanken.

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