Die Schatten aus unserer Vergangenheit Band 2 » Review

Den Erstling dieses Mangas habe ich bereits regelrecht verschlungen. Umso mehr freue ich mich, euch heute den zweiten Band von „Die Schatten aus unserer Vergangenheit" aus dem Hause „altraverse“ vorstellen zu können.


Worum es bei „Die Schatten aus unserer Vergangenheit" geht:


Eigentlich sollte es nur ein freudiges Wiedersehen der alten Grundschulklasse 6-B werden. Ein bisschen über's gemeinsame morgendliche Pauken, Streiche spielen und die legendären epischen Schneeballschlachten während der Hofpause philosophieren. Diese Annahme stellte sich im wahrsten Sinne des Wortes als tödlicher Irrtum heraus. Sie alle wurden zu Statisten des perfiden, aber auch hochintelligenten Psychopathen Mikio. Er hält die Gruppe weiterhin im leerstehenden, mit Fallen gesichertem Schulgebäude gefangen und zwingt sie zu grausamen sozialen Experimenten, um ihr Gerechtigkeitsempfinden, ihre Treue zueinander zu testen. Nach drei Tagen, so verspricht er, würden alle wieder in die Freiheit entlassen werden, während er selbst sich widerstandslos in die Hände der Polizei begibt.


Vier Todesopfer forderte das kranke Spiel bereits. Das letzte allerdings ohne zutun von Mikio. Vom Mobbing der Vergangenheit traumatisiert, beseitigt Yamaguchi kurzerhand eine ihrer früheren Peinigerinnen per Giftanschlag. Schnell beginnt der aufgebrachte Mob zu toben und nicht wenige von ihnen sind wild entschlossen, zur Lynchjustiz zu greifen.


Mikio schreitet scheinbar ein, nur um diese Gelegenheit schließlich für ein weiteres Experiment zu nutzen. Er ruft ein Klassengericht mit ihm als Vorsitzenden ins Leben. Gemeinsam soll über den Tatbestand und die Bestrafung für Yamaguchi entschieden werden, allerdings unter der Prämisse, ebenso die zwei anderen jungen Frauen auf die Anklagebank zu setzen, welche an dem Mobbing ebenfalls beteiligt waren und somit auch das Mordmotiv begründet haben.


Welches Urteil wäre für die Täterinnen hier wohl angemessen? Ein zertrümmerter Finger, ein gebrochenes Bein, vielleicht sogar die Todesstrafe?


Die Situation spitzt sich immer weiter zu, während Nezu und seine Freundin Mirai verzweifelt überlegen, wie sie und die anderen aus diesem lebendig gewordenen Alptraum entkommen können.


Einschätzung:


"Der schmale Grat, auf dem ein Mensch noch Mensch bleiben kann".


Ein Satz aus diesem zweiten Band, der signifikant für die vielen psychologischen Metaebenen von

„Die Schatten aus unserer Vergangenheit" steht.


Inzwischen ist Mikio längst nicht mehr das einzige Monster in dem Schulgebäude. Der Kampf ums nackte Überleben lässt so manchen der ehemaligen 6-B sämtliche moralischen Bedenken über Bord werfen oder aber befördert schon vorhandene, niederträchtige Charaktereigenschaften an die Oberfläche, welche den anderen bislang verborgen blieben. Letzteres wird insbesondere durch den scheinbar unbeschwerten und lockeren V-Tuber Shoyan verdeutlicht. Er nutzt die Notlage diverser Frauen aus, um sie sexuell zu nötigen, versucht gar sie zu missbrauchen. Innerlich schreite ich in diesen Momenten regelrecht in den Manga ein, weil ich mir so sehr wünschte, dass jemand den Typen dafür zur Rechenschaft zieht und dass er am besten die Story gar nicht erst überleben soll.


Ist es eigentlich legitim in einem Atemzug Kritik an Lynchjustiz zu äußern, nur um sich im nächsten als Leser selbst zum Scharfrichter aufzuschwingen? Eine schwierige Frage, nicht wahr? Nicht nur die handelnden Figuren, sondern auch wir werden hier bis zu einem gewissen Grad auf die Probe gestellt und Teil des jeweiligen Experiments. Natürlich sitzen wir dabei entspannt auf der Couch, ohne in einer solchen Notsituation zu sein. Nichtsdestotrotz beschäftigt und identifiziert man sich aber ein Stück weit damit, bewertet und hinterfragt das Gelesene fast schon pausenlos.


Abgesehen von „Death Note", „Arjuna“ oder auch „Psycho Pass", fallen mir nicht viele Storys ein, die einen vergleichbaren Prozess in mir ausgelöst haben. Ein Kompliment an die begnadete Mangaka „Yae Utsumi“!


Aufgrund der hohen Anzahl der Schüler kam anfangs in mir einige Skepsis auf, ob das Ganze nicht zu überladen und unübersichtlich werden könnte. Diese mögliche Klippe wurde aber gut umschifft. Bisher scheint es sich anzudeuten, dass in jedem Band andere von ihnen in den Vordergrund treten. Dieser Umstand geht erfreulicherweise nicht zu Lasten der schon etablierten Charaktere.


Nezu fasziniert mich als Protagonist mit seiner unglaublichen Aufopferungsbereitschaft und seinem Sinn für Gerechtigkeit. Obwohl es an einigen Stellen vielleicht naiv wirken mag, wenn er Überlegungen der Gruppe strikt ablehnt, Mikio zu töten, so spricht es doch für seine reine Seele und dass er das Herz am rechten Fleck trägt. Ich wünsche ihm und Mirai, dass sie lebend aus der Sache rauskommen und frage mich gleichzeitig, ob sein Idealismus nicht doch irgendwann an seine Grenzen stoßen wird.


Generell wird die Spannung weiterhin hochgehalten, Geheimnisse aufgeworfen, viele Fragen noch offen gelassen, sowie eine Menge Nährboden für spannende Theorien und Spekulationen dargeboten.


Optisch müssen erneut die schicken farbigen Seitenränder erwähnt werden, worüber sich alle Besitzer der Erstauflage freuen können.


Fazit


„Die Schatten aus unserer Vergangenheit" beschert uns auch in Band 2 komplexe moralische Fragen, die zum Nachdenken anregen, und dazu noch atemlose Spannung auf höchstem Niveau.


Absolute Pflichtlektüre für Freunde von anspruchsvollen Psycho-Thrillern!


Hier geht es zur „Leseprobe von: Die Schatten aus unserer Vergangenheit“!


Quelle „altraverse


Produktdetails
Titel Die Schatten aus unserer Vergangenheit
Genres Horror, Drama
Autor/Zeichner Yae Utsumi
Einband Taschenbuch
Altersempfehlung ab 15 Jahre
Seitenanzahl 208
Serie Die Schatten aus unserer Vergangenheit
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-96358-653-8
Verlag altraverse
Kaufmöglichkeiten amazon / Thalia / altraverse


Wir möchten uns auf diesem Wege herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar und Bildmaterial bedanken.

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