Parataxis - Master Edition » Review

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    Lies mal was mit Body-Horror, hat sie gesagt. Das ist bestimmt interessant, hat sie gesagt. Nachts schlafen können wird eh völlig überbewertet, hat sie gesagt… Mit dem Manga » Parataxis - Master Edition « beschert uns » Cross Cult « eine gleichermaßen faszinierende wie verstörende Zukunftsvision, die einen erschaudern lässt.


    Worum es bei » Parataxis - Master Edition « geht:


    In einer fernen Zukunft hat die Arbeit mit Biomechanoiden ein völlig neues Level erreicht. Die sogenannten Thirdler, humanoide Riesen, werden zerlegt und mit einigen technischen Komponenten neu zusammengefügt. Nirgends Autos oder Baustellenfahrzeuge, die nicht mit diversen Körperteilen wie riesigen Fingern oder ganzen Torsos ausgestattet sind.


    Vereinzelt gibt es Ingenieure, die feststellen, dass es sich bei den Thirdlern nicht nur um Maschinen handelt. So zum Beispiel ein Cheftechniker, der selbst nicht vor Mord zurück schreckt, beim Versuch seiner neuen „Tochter“ zur Flucht zu verhelfen.


    Oder ein paar Dörfler, die zunächst überlegen, einen gefundenen Riesen quasi als Nutztier zu halten. Schön und gut, stellt sich nur die Frage, was diese Dinger überhaupt essen und wo man möglichst viel davon herbekommt, ohne dass es auffällt.


    In der dritten Geschichte scheinen einige der umgebauten Riesen durchzudrehen und auf einer Art religiös-fanatischen Kreuzzug Menschen zu töten. Jemand soll sich direkt mit dem Nervensystem eines Thirdlers verbinden und so gegen die wildgewordenen Abweichler kämpfen. Das scheint zunächst zu funktionieren, doch was macht diese Verbindung mit der Psyche des Piloten?


    Diese und weitere Kurzgeschichten mit dem verbindenden Element der Thirdler genannten Riesen überschneiden sich nur an wenigen Stellen. Und dennoch erschließt sich einem der wirkliche Horror erst, wenn man sie alle gelesen hat.


    Einschätzung:


    Wie bereits erwähnt, hatte ich vorher mit dieser Art von Horror kaum zu tun. Vermutlich weil ich mir Medien, die grotesk und verstörend wirkten, oft gar nicht erst zur Gemüte geführt hab. Das wiederum vielleicht weil ich Angst hatte. Da es ja heißt, man solle sich seinen Ängsten stellen, habe ich dies hiermit getan. Weniger grotesk und verstörend finde ich diesen Manga deswegen trotzdem nicht.


    Mittlerweile bin ich wohl besser in der Lage, derartige Darstellungen als Stilmittel wahrzunehmen, als noch vor einigen Jahren. So muss ich sagen, dass bei den hier vorliegenden Geschichten und der Welt in der sie spielen, eben diese Bilder am besten passen. Die riesigen, meist weiblichen Körper, die zu irgendwelchen Monstrositäten zusammengeschraubt wurden, brennen sich definitiv ins Gedächtnis.


    Die einzelnen Kurzgeschichten dieser Sammlung haben kaum wiederkehrende Charaktere. Dennoch sind sie auf zunächst sehr subtile, letztlich erschreckend eindeutige Art und Weise miteinander verbunden. Je mehr man liest, desto mehr versteht man was passiert. Je mehr man versteht, desto mehr jagt es einem unangenehme Schauer über den Rücken.


    Ich habe die Angewohnheit mir die letzte Seite einer Geschichte zuerst anzusehen. Warum auch immer… Dabei fand ich die letzte Seite hier ausgesprochen unspektakulär und konnte zunächst nichts damit anfangen. Dies änderte sich, nachdem ich jede Seite gelesen hatte. Nun entfaltete die letzte Seite in ihrer Einfachheit all das Grauen, dass sich im Laufe der einzelnen Geschichten aufgebaut hatte.


    Ich könnte noch einiges über die Geschichten berichten, möchte aber nicht zu viel verraten, damit die Spannung beim Lesen nicht verloren geht. Was ich sagen kann ist, dass » Shintaro Kagos « Kurzgeschichten sich meilenweit vom normalen Mainstream befinden. Die Fans werden sich wohl in Grenzen halten. Wem aber der Sinn nach massiver Gesellschaftskritik in schonungslosen Bildern steht, deren wahrer Schrecken sich erst nach und nach offenbart, der könnte hier voll auf seine Kosten kommen. Weggeworfene Leben, Rachsucht, menschlicher Größenwahn und seine allgemeinen Abgründe werden hier auf einmalige Weise zur Schau gestellt. Gesellschaftlich und künstlerisch sehr interessant... wenn man es wagt einen Blick zu riskieren.


    Fazit:


    » Parataxis - Master Edition « bietet Gesellschaftskritik in grotesk-verstörenden Bildern, ein Feuerwerk aus Gewalt und schleichendem Horror.


    Nichts für zarte Gemüter!


    Produktdetails
    Titel Parataxis - Master Edition
    Genres Horror, Mystery, Science-Fiction
    Autor Shintarô Kago
    Einband Hardcover
    Altersempfehlung ab 16 Jahre
    Seitenanzahl 192
    Serie -
    Sprache Deutsch
    ISBN 978-3-959817-50-9
    Verlag Cross Cult
    Kaufmöglichkeiten amazon / Thalia / Cross Cult


    Wir möchten uns auf diesem Wege herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar und Bildmaterial bedanken.

    Positive

    • Hochwertiges Hardcover
    • Regt zum Nachdenken an
    • Schonungslose Gesellschaftskritik
    • Sich aufbauender Horror
    • Weit entfernt vom Mainstream

    Negative

    • Vielen wohl zu brutal und grotesk

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Comments on the review 4

  • Extrem grotesk und brutal, schonungslose Gesellschaftskritik, sich aufbauender Horror, weitab vom Mainstream und laut Amazon was für Fans von H.R. Giger...

    Klingt als hätte jemand nen Auftragsmanga für mich geschrieben! xD


    Mit der Reaktion hast du aber schon gerechnet, oder? ^^


    Werd‘ mir online noch paar Motive des Zeichenstils angucken, aber ich glaube du hast mich schon wieder gekriegt. :-)

    • Es ist grafisch halt sehr speziell, aber wenn du mit dem Aspekt klar kommst ist es auf jeden Fall ein interessantes Werk. Ich empfehlende tatsächlich dir ne Leseprobe oder so zu Gemüte zu führen, aber im Endeffekt bekommt man schon was fürs Geld.

    • Ich recherchiere mal online, vielleicht finde ich eine Leseprobe um mir noch mehr Einblick zu Verschaffen.


      Giger war mit seinen Designs stilbildend für das gesamte Sci-Fi Genre und u.a. der künstlerische Schöpfer des Alien.

      Seine gezeichneten Landschaften allerdings zeigten immer wieder durchgeknallte optische Metaphern von primären und sekundären

      weiblichen Geschlechtsorganen.


      Diese Hommage wird hier aber sicherlich ausgespart, oder? xD

    • Nun, die Geschlechtsorgane finden sich nicht in der Landschaft als solches. Dafür in und an Fahrzeugen, vielleicht nah genug dran.