Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima » Review

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    Wenn die Erde bebt …


    Schaut man sich die Nachrichten an, dann kann es einem nur eiskalt den Rücken runterlaufen. Ständig lesen/hören wir von irgendwelche Katastrophen. In Anbetracht dieser Katastrophen sollte man zusammenrücken und sich helfen. Das verlangt der gesunde Menschenverstand. Die Realität sieht oftmals anders aus und das selbst in einem zivilisierten Land wie Japan. Über dieses Thema und die Arbeit an sich berichtet der etwas andere Manga » Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima «, welcher bei der » CARLSEN Verlag GmbH « erschienen ist. Ein eindrucksvolles Werk, welches im wahrsten Sinne an die Nieren geht.


    Wichtig!


    Gleich vorweg! Alles was du in dem Manga lesen wirst, ist die Wahrheit und nichts anderes. Das heißt keine Liebesgeschichte, kein Happy End … nichts dergleichen. Du brauchst starke Nerven!


    Zum Inhalt und eigene Gedanken …


    Ich wusste gar nicht, dass es einen Manga über die » Nuklearkatastrophe von Fukushima « gibt. Als ich ihn bei der » CARLSEN Verlag GmbH « entdeckte war ich überrascht. Mir gingen beim Betrachten des Covers einige Gedanken durch den Kopf. Von … Wer will das schon lesen? … bis hin zu … Eigentlich logisch, dass es solch einen Manga gibt. … war alles dabei. Letztendlich siegte die Neugier. Und so habe ich den Verlag um ein Rezensionsmuster gebeten. Tja …


    Meine größte unterschwellige Angst ist es, dass wir irgendwann in einem nuklearen Feuer untergehen. Wenn man sich einige Individuen ansieht, kann man nur Angst haben. Und im TV nur noch Mord und Totschlag. Aus diesem Grund schaue ich kaum noch Nachrichten. Denn glaubt man der auf Sensation ausgelegten Berichterstattung, deren Ziel es ist Einschaltquoten zu erreichen, dann ist es ein Wunder dass bis zum heutigen Tage noch nichts „Ernsthaftes“ passiert ist. Ich meine damit, hätte, würde, könnte. Manchmal denke ich (Achtung Satire): Warum veröffentlichen die Medien nicht gleich einen Leitfaden?! Aber zurück zum Thema …


    Denkt man über die Atomkraftwerke nach, ist es das gleiche Prinzip, mit dem Unterschied, dass man sich beim Sterben beobachten kann. Es sei denn du hattest das große Glück im nahen Umfeld zu leben/stehen. Dann ist es gleich vorbei. Diese und andere Informationen hält der Autor für dich bereit.


    Ich habe einige Zeit gebraucht, mich an diesen Lesestoff zu gewöhnen. Beim Lesen habe ich nicht nur einmal das Buch zur Seite gelegt. Es dauerte einige Tage bis ich fertig war. Am Anfang war mir sogar richtig schlecht. Nachts habe ich davon geträumt, obwohl der Inhalt weder brutal noch ekelerregend ist. Er ist einfach „nur“ erschreckend ehrlich. Das heißt, alles was du liest ist echt. Und das genau ist die große Herausforderung von diesem (eigentlich müsste man sagen) Buch. Nicht umsonst wurde dieses Machwerk ausgezeichnet.


    » Kazuto Tatsuta « (Künstlername) hat das Leben nach dem Unglück, in und um die Arbeit in » Fukushima « auf eindrucksvolle Weise zu Papier gebracht. Egal wie unwichtig auch das jeweils erzählte Detail zu sein scheint, es gehört letztendlich alles zusammen, damit das Überleben bei der Arbeit am und um den Reaktor gewährleistet ist/bleibt.


    Nicht nur einmal kam der Gedanke auf, dass man dieses Machwerk als Leitfaden jedem Interessierten übergeben sollte. Denn du erfährst alles, vom Prozedere der Vorbereitung (damit du dort überhaupt arbeiten darfst) bis hin zu den strengen Regeln, dem Lageplan und so weiter. Ich hatte und habe tatsächlich das Gefühl besser vorbereitet zu sein.


    Das wirklich bemerkenswerte an diesem Manga ist, dass ich im Laufe der Seiten immer mehr die Angst vor diesem schrecklichen Thema verloren habe. Das ist kein Witz! Würde die Frage zur Diskussion stehen, ob ich an einem solchen Ort arbeiten wollen würde, dann würde ich dies nach dieser Lektüre nicht mehr verneinen. Stattdessen würde ich mich vorbereiten und meiner Familie zuliebe mich dieser Herausforderung stellen, damit zum Beispiel mein Sohn eine glückliche Zukunft erleben kann.


    Was mich verärgert hat, ist die Tatsache, dass es (logischerweise) Menschen gibt, die selbst aus dieser Katastrophe ihren finanziellen Vorteil ziehen müssen. Erst komme ich, dann ganz lange gar nichts und dann … Auch über diese Machenschaften berichtet » Kazuto Tatsuta «.


    Bleibt nur noch eins zu sagen: Wir alle müssen mit unserer Welt sorgsam umgehen, wenn wir sie erhalten wollen. Sie ist nicht unser Eigentum. Wir sind nur zu Besuch. Wie lange dieser Besuch dauert, das hängt ganz von uns ab. Und wenn es mal erforderlich ist, über unseren Schatten zu springen, dann sollten wir es tun.


    Zitat aus dem Buch:


    Man muss kennen, was man fürchtet, um geeignete Maßnahmen ergreifen zu können.


    » Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima « erhält von mir eine klare Empfehlung und das nicht nur als privaten Lesestoff. Ich möchte jedem Lehrer, der etwas besonderes in seinem Literaturunterricht behandeln möchte, dieses Machwerk wärmstens ans Herz legen.


    Produktdetails
    Titel Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima
    Genres Geschichte & Gesellschaft
    Autor Kazuto Tatsuta
    Einband Taschenbuch
    Altersempfehlung ab 14 Jahre
    Seitenanzahl 192
    Serie Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima
    Sprache Deutsch
    ISBN 978-3-551-76107-1
    Verlag CARLSEN Verlag GmbH
    Kaufmöglichkeiten amazon / Thalia / CARLSEN Verlag GmbH


    Wir möchten uns auf diesem Wege herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar und Bildmaterial bedanken.

    Positive

    • Die ruhige und sachliche Erzählweise.
    • Es wird einem die Angst genommen.
    • Man wird auf solch eine Katastrophe gut vorbereitet.

    Negative

    • Nichts was mit dem Manga zu tun hätte.

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