H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten » Review

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    Spätestens durch diverse Verweise in Videospielen kam ich irgendwann mit dem » Cthulhu-Mythos « und somit auch mit dessen Schöpfer » H.P. Lovecraft « in Kontakt. Wenn auch den Namen selbst wohl viele kennen, so sind die Werke dieses gefeierten Autors wohl eher weniger Produkte für die breite Masse. Mit » H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten « bringt » Carlsen Manga « dem interessierten Leser drei Erzählungen als gezeichnete Adaption näher.


    Worum es bei » H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten « geht:


    Wer sich mit dem Schaffen » H.P. Lovecrafts « beschäftigt, weiß vermutlich, dass seine Geschichten oft anders aufgebaut sind als die meisten Genre-Vertreter. Sie lassen sich nur schwer erklären. Es ist besser sie direkt zu lesen. Dem Leser werden in der Regel mysteriöse Erzählungen an die Hand gegeben, der wahre Horror findet im Kopf statt.


    Ganz knapp zusammengefasst:


    Kurz vor einer bahnbrechenden Entdeckung verfällt die Besatzung eines U-Bootes Stück für Stück dem Wahnsinn. Warum nur?


    Zwei Grabräuber, die in den üblichen weltlichen Dingen kein Vergnügen mehr finden, belasten sich durch ein Artefakt mit einem schrecklichen Fluch. Gibt es eine Rettung?


    Ein Abenteurer durchquert die arabische Wüste, auf der Suche nach der sagenumwobenen „Stadt ohne Namen“. Was er findet, übersteigt seine Vorstellungskraft und seinen Verstand.


    Einschätzung:


    Wer Angst und Schrecken nur empfindet, wenn man ihm den Grund dafür blutverschmiert vor die Nase hält, für den könnten Werke dieser Art eine völlig neue Erfahrung sein. Ich denke, ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen muss in diesem Kontext vorhanden sein, um in den vollen Genuss dieser Geschichten zu kommen. Andernfalls kann es gut und gerne sein, dass man dasteht und sich denkt, dass doch gar nix passiert ist. Wirklich? Eine gruselige Fratze hier, etwas Blut da und alles in Dunkelheit gehüllt, fertig. Es ist nicht so konzipiert, dass es im übertragenen Sinne ständig „Buh!“ macht, damit man sich erschrickt. Viel mehr geht es hier um sich langsam aufbauenden, allgegenwärtigen Horror, der für ordentlich Kopfkino sorgt … genügend Fantasie vorausgesetzt. Vielleicht wird dies durch die visuelle Komponente etwas zugänglicher als in reiner Schriftform. Tatsächlich wird in dieser Adaption der Text weitgehend auf das Nötigste reduziert. Die realistischen, in starkem Schwarz-Weiß-Kontrast gehaltenen Bilder sprechen meist für sich, lassen aber dennoch genug Raum zur persönlichen Interpretation.


    Einige Diskussionen löste bereits die erste Seite aus, in welcher eine Hakenkreuzflagge zu sehen war. Hierzu muss man sagen, dass die Geschichte „Der Tempel“, ursprünglich im Jahre 1925 veröffentlicht und von » Gou Tanabe « in die Zeit des zweiten Weltkriegs verlegt wurde. Die Tatsache, dass trotzdem von Kaiser und Kaiserreich die Rede ist, sorgt hierbei allerdings für leichte Verwirrung. Nichtsdestotrotz würde ich behaupten, dass der Stoff von » Gou Tanabe « insgesamt sehr passend umgesetzt wurde, zumal sich bisher insgesamt eher wenige überhaupt an eine solche Umsetzung getraut haben.


    Wer an der Materie interessiert ist, sollte sich wohl weiterführend einlesen. Allerdings sei an dieser Stelle gesagt, dass es nicht wenige gibt, die sich über den Autor selbst informiert haben und dann Schwierigkeiten damit hatten, Künstler und Werk getrennt voneinander zu betrachten. Viele sind von » H.P. Lovecraft « als Mensch alles andere als begeistert. Inwiefern das beim Lesen eine Rolle spielt, muss jeder für sich selbst entscheiden.


    Fazit:


    » H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten« ist eine sehenswerte Adaption aus dem » H.P. Lovecraft « Universum, welche sich möglicherweise nur Liebhabern und jenen, die sich darauf einlassen können, gänzlich erschließt.


    Leseprobe zu » H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten «


    Quelle: Carlsen Manga


    Produktdetails
    Titel H.P. Lovecrafts Der Hund und andere Geschichten
    Genres Horror
    Autor Gou Tanabe
    Einband Taschenbuch
    Altersempfehlung ab 15 Jahre
    Seitenanzahl 176
    Serie -
    Sprache Deutsch
    ISBN 978-3-551-72174-7
    Verlag CARLSEN Verlag GmbH
    Kaufmöglichkeiten amazon / Thalia / CARLSEN Verlag GmbH


    Wir möchten uns auf diesem Wege herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar und Bildmaterial bedanken.

    Positive

    • Gelungene Umsetzung klassischer Lovecraft-Erzählungen.
    • Genug Raum für die Fantasie des Lesers.
    • In einem Band abgeschlossen.
    • Realistische, kontrastreiche Zeichnungen.

    Negative

    • Der Horror erschließt sich vielleicht nicht jedem in vollem Ausmaß.

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Comments on the review 2

  • was für ein fantastisches Review! Ich kam noch nicht dazu die Manga zu lesen aber wer den Kosmischen Horror von Lovecraft lieben lernen will hat hier etwas zugänglicheres. Danke dass du es den Leuten näher bringst ^^

    • Vielen Dank, das freut mich sehr! Ich hatte ziemlichen Respekt davor diese Review zu schreiben da diese Thematik ja nun doch eine Klasse für sich ist. Wenn sie bei einem Kenner der Materie wie dir gut ankommt hab ich wohl was richtig gemacht^^


      Ich glaube es gibt noch andere Lovecraft-Manga, wenn auch nicht viel. Ich werde mich da mal erkundigen.