Ein weiteres Mal beglückt „KAZÉ Manga“ deutsche Boys-Love-Fans mit einem gelungenen Einzelband. In Tomo Kurahashis „An Invisible Scar“ haben ein Manager und sein zwei Jahre älterer Kollege zunächst ein eher schwieriges Verhältnis zueinander. Doch dann stellt sich heraus, dass die beiden etwas Wichtiges gemeinsam haben.
Worum es bei „An Invisible Scar“ geht:
Beim Firmenumtrunk einer Werbeagentur fällt es Katase wie immer nicht schwer, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Er ist nicht nur Top-Manager, sondern bei Männern und Frauen gleichermaßen überaus beliebt. Der einzige, der ihm gegenüber irgendwie reserviert scheint und der ihm so gut wie nie in die Augen schaut, ist Shibutani, sein älterer Kollege. Könnte das mit den Gerüchten zusammenhängen, die in Bezug auf Katases Erfolg in Umlauf sind? Dass er mit so ziemlich jedem Klienten schlafen würde um gute Aufträge an Land zu ziehen?
Tatsächlich entspricht dies der Wahrheit, dem liegt jedoch nicht zuletzt ein schwerwiegendes Kindheitstrauma zugrunde.
Nachdem Shibutani ihm bei einem kleinen Schwächeanfall zur Seite steht, verbringen die beiden immer mehr Zeit miteinander, was auch den anderen in der Agentur nicht unbemerkt bleibt. Aber geht es hier wirklich um kollegiale Freundschaft oder um etwas ganz anderes? In einer komplizierten Situation zeigt sich, wie die beiden Männer wirklich zueinander stehen.
Neben der Hauptstory gibt es hier auch noch die Kurzgeschichte „Loose“, in welcher zwei Nachbarn sich trotz anfänglicher Antipathie schnell miteinander anfreunden und nach einiger Zeit feststellen, dass sie sich auch körperlich zueinander hingezogen fühlen. Doch einer von beiden will eigentlich nur seinen Spaß, während der andere gern etwas Festes hätte. Ob das gutgehen kann?
Einschätzung:
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es sich hier um eines der klassischsten Boys- Love-Szenarien handelt: Zwei Männer, die sich kaum kennen oder bei denen scheinbar sogar konkrete Abneigung gegeneinander herrscht, verlieben sich plötzlich ineinander. Wenn man der Geschichte bis zum Schluss folgt, stellt sich jedoch heraus, dass mehr dahinter steckt.
Durch die teils schmerzhafte Vergangenheit des Hauptcharakters, die in einigen Panels gezeigt wird, bekommt die Geschichte mehr Tiefgang und fast schon einen düsteren Unterton.
Katase und Shibutani sind beide glaubhafte Charaktere, deren Denkweisen und Handlungen nicht blindlings aus der Luft gegriffen, sondern nachvollziehbar wirken. So ist schließlich auch die gesamte Geschichte in sich schlüssig.
Was den Austausch von Intimitäten betrifft, kann ich sagen, dass solche zwar durchaus vorkommen, allerdings sieht man davon in der Hauptgeschichte so gut wie nichts. Bei „Loose“ hingegen wird es dann doch wesentlich expliziter und experimentierfreudiger.
Fazit:
Eine erwachsene Boys-Love-Story im Firmen-Setting, hinter der mehr steckt, als man zunächst denken würde. Auch Fans von Manga mit etwas mehr Erotik kommen dank der zweiten Geschichte auf ihre Kosten.
Wir möchten uns auf diesem Wege herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar und Bildmaterial bedanken.

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